Zwischen Einweckglas und Kindheitsglück: Warum ich angefangen habe, den Sommer einzufangen

Kennt ihr das auch? Ein bestimmter Geschmack auf der Zunge und plötzlich seid ihr wieder fünf Jahre alt und sitzt am Küchentisch eurer Oma. Bei mir ist es das
Aroma von eingeweckten Kirschen zum Nachtisch oder die selbstgemachte
Marmelade am Sonntagmorgen, die nach purem Sommer schmeckte.
Früher war das Haltbarmachen für unsere Großmütter eine reine
Überlebensstrategie. Heute leben wir im absoluten Überfluss. Wir können alles zu jeder Zeit kaufen, also macht sich kaum noch jemand die Mühe, selbst am Herd zu stehen. Doch der Geschmack ist einfach nicht derselbe. In den Supermarktregalen finden wir oft Produkte voller Konservierungsmittel und Zusatzstoffe, von denen wir gar nicht genau wissen, was sie mit unserem Körper machen.
Dabei ist mir eines ganz wichtig: Wenn ich von meinem „Anfang“ spreche, dann meine ich damit nicht, dass ich ab jetzt alles nur noch selber mache. Ich möchte da absolut realistisch bleiben, auch ich kaufe natürlich weiterhin vieles ein. Für mich persönlich geht es nicht um Perfektion, sondern um ein neues Bewusstsein auf meinem ganz eigenen Weg. Jedes Glas, das ich selbst vorbereitet habe, fühlt sich für mich wie ein kleiner Erfolg an, ein Stück mehr Nachhaltigkeit und die
Gewissheit, was genau drinsteckt.
Für mich ist dieser Weg zurück zum Natürlichen unglaublich wichtig geworden. In einer Gesellschaft, in der wir oft nur noch von einem Termin zum nächsten hetzen, ist das Einkochen für mich eine bewusste Pause. Ja, an dem Tag, an dem man in der Küche steht, hat man Arbeit. Aber an den zehn Tagen danach öffne ich einfach ein Glas, spare Zeit und weiß zu
100 % : Das kommt aus meinem Garten. Da steckt keine Chemie drin, sondern nur Natur und Liebe.
Besonders schön ist es zu sehen, wie sehr ich meine Kinder damit begeistern kann. Wenn meine Große stolz vor ihren Freundinnen erzählt: „Das hat meine Mama ganz alleine gemacht!“, und die anderen Kinder staunend „Oh echt?“ fragen, merke ich, wie wertvoll diese Momente sind.
Meine Omas sind leider schon länger verstorben und haben keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Deshalb muss ich vieles neu ausprobieren und
mühsam nach Rezepten suchen. Genau das möchte ich meinen Kindern
erleichtern: Ich möchte mein Wissen hier festhalten, damit sie es irgendwann selbst lesen können und natürlich für alle, die ich damit auch begeistern kann.


Eines meiner ersten Projekte war ein Projekt der Düfte: Mein Gartenkräutersalz.
Kräuter sind der perfekte Einstieg, denn das Trocknen ist die einfachste Art der Konservierung. Aber wie bekommt man das Wasser aus der Pflanze, ohne das Aroma zu zerstören? Hier sind die drei Wege, die ich ausprobiert habe:
An der Luft (Die Geduldige):
Bindet kleine Kräuterbündel mit Küchengarn zusammen und hängt sie kopfüber an einen schattigen, luftigen Ort. Nicht in die pralle Sonne hängen! Es dauert je nach Wetter 1 bis 2 Wochen.
Im Backofen (Die Schnelle):
Verteilt die Kräuter auf einem Blech bei ca. 40-50°C. Klemmt einen Kochlöffel in die Tür, damit die Feuchtigkeit abziehen kann. Nach 2 bis 4 Stunden nachschauen.
Im Dörrautomaten (Die Komfortable):
Mein Favorit! Ich habe mir den meiner Schwester „kurz“ ausgeliehen... und irgendwie hat er den Weg zurück nie gefunden. Er trocknet extrem schonend bei ca. 40°C über 6 bis 10 Stunden.
Tipp für alle ohne Garten: Ihr habt keine eigenen Kräuter? Kein Problem! Geht auf den Wochenmarkt und kauft sie dort. So unterstützen wir unsere regionalen Bauern, bekommt frische Qualität und wisst trotzdem genau, was in euer Salz wandert.
Der erste Schritt: Den Garten in Gläser füllen

Rezept: Mein Gartenkräutersalz
Da ich beim Kochen eher der Typ „Handmaß und Gefühl“ bin, habe ich keine strengen Gramm-Angaben für euch. Ihr könnt nichts falsch machen!
Was ihr braucht:
Die Basis: Grobes Meersalz.
Meine Mischung: Knoblauch, Zwiebel, Majoran, Thymian, Petersilie, Sellerie, Salbei, Oregano, Schnittlauch, Basilikum, Beifuß und Fenchelgrün.
Eure Freiheit: Es ist völlig egal, welche Kräuter ihr nehmt. Nutzt eure Lieblingskräuter oder das, was gerade im Beet (oder auf dem Markt) verfügbar ist. Es gibt keine
Grenzen!
So wird’s gemacht:
Trocknen: Die Kräuter müssen wirklich knochentrocken sein und bei Berührung
rascheln. Das ist wichtig, damit das Salz später nicht klumpt!
Erst die Kräuter: Zuerst kommen nur die getrockneten Kräuter, Zwiebeln und
Knoblauch in den Mixer. Mahlt sie schön fein für das volle Aroma.
Das Finish mit Salz: Erst danach gebe ich das grobe Meersalz dazu. Mixt jetzt nur noch ganz kurz! Das Salz soll nicht zu Staub werden, sondern noch eine schöne Struktur behalten.
Abfüllen: Ich habe mein Gartenkräutersalz in kleine Kunststoff-Röhrchen gefüllt und mit eigenen Etiketten beklebt.
Das Gartenkräutersalz war mein absoluter Renner zu Weihnachten und die ersten Anfragen für Nachschub sind schon da. Es ist das perfekte, persönliche Geschenk!
Wie sieht es bei euch aus? Gibt es diesen einen Geschmack aus eurer Kindheit, den ihr unbedingt bewahren wollt? Schreibt es mir gerne über das Kontaktformular.


Ein kleiner Blick in meine Gartenküche
Da ich auf meine Projekte oft neugierige Fragen bekomme, habe ich euch hier die Hilfsmittel zusammengestellt, die ich für mein Gartenkräutersalz verwendet habe.
Wichtig ist mir dabei: Alle hier gezeigten Dinge habe ich (oder meine Schwester im Falle des Dörrautomaten) selbst gekauft. Ich empfehle euch nur weiter, was mich in meiner eigenen Küche wirklich überzeugt hat und was ich selbst gerne benutze.
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Mein Mixer
Mein Braun MultiQuick 9. Er bekommt alles klein und ist perfekt, um die Kräuter fein und das Salz grob zu mixen.

Dörrautomat
Eigentlich von meiner Schwester geliehen, aber aus meiner Küche nicht mehr wegzudenken. Trocknet extrem schonend.

Röhrchen
Diese Kunststoff-Röhrchen sind super praktisch zum Dosieren und sehen als Geschenk einfach toll aus.
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