
Das große Tomaten-1x1: Ausgeizen, Hochbinden und mein geheimes Jauche-Rezept
Es ist Sommer auf der WurzelReise und das bedeutet: Die Tomatenzeit ist in voller Pracht ausgebrochen! Wenn ich morgens durch den Garten gehe, geht mir das Herz auf, wenn ich die kräftigen Pflanzen und die ersten grünen Fruchtansätze sehe. Aber treue Leserinnen und Leser wissen: Tomaten gehören definitiv in die Kategorie „Pflege-Diva“. Wer hier im Sommer nicht am Ball bleibt, verliert schnell den
Überblick.
Heute zeige ich euch mein straffes Sommer-Pflegeprogramm, welche Experimente ich dieses Jahr im Beet wage und wie ihr euren Tomaten einen genialen, selbstgemachten Ernte-Turbo verpasst!
Stabtomate vs. Buschtomate: Zwei völlig verschiedene Charaktere

Die klassischen Stabtomaten: Sie wachsen unaufhörlich in die Höhe. Würde man sie einfach machen lassen, würden sie unzählige Nebentriebe bilden. Das Problem? Die Pflanze steckt ihre ganze Kraft in das grüne Blattwerk, statt saftige Früchte zu entwickeln. Deshalb gehe ich hier fast täglich durch: Ich geize permanent aus und binde sie hoch.

Die gemütlichen Buschtomaten: Sie wachsen eher kompakt und buschig. An ihnen habe ich dieses Jahr bisher noch überhaupt nichts an Pflege gemacht. Ich lasse sie einfach mal wild wachsen und probiere aus, wie sie sich ganz ohne menschliches Zutun entwickeln!
Bevor wir zu den Scheren greifen, müssen wir kurz über die Art der Tomate sprechen, denn Tomate ist nicht gleich Tomate:
Das tägliche Fitnessprogramm: Ausgeizen und Hochbinden

Geiztriebe ausbrechen: In den Blattachseln (genau zwischen dem Hauptstamm und einem Seitenzweig) bilden sich blitzschnell neue Triebe – die Geiztriebe. Solange sie klein sind, lassen sie sich ganz leicht mit den Fingern seitlich herausbrechen. Wartet man zu lange, werden sie dick und holzig.

Der Kampf gegen die Schwerkraft: Weil Stabtomaten so rasant wachsen, binde ich sie permanent hoch. Dieses Jahr nutze ich dafür unter anderem stabile Bambusstäbe als Stütze. Das ist unglaublich wichtig: Spätestens, wenn die ersten schweren Tomatentrauben wachsen, kommt ein enormes Gewicht an die Pflanze. Ohne festes Aufbinden würden die Triebe unter der Last einfach abbrechen.
Bei meinen Stabtomaten heißt es aktuell: Augen auf! Auf den Bildern seht ihr genau, worauf es ankommt:
Der grüne Ernte-Turbo: Mein Rezept für selbstgemachte Brennnesseljauche
Tomaten sind extreme Starkzehrer, das heißt, sie haben unheimlichen Hunger, um diese Masse an Früchten zu produzieren. Mein absoluter Lieblingsdünger ist rein biologisch, extrem günstig in der Herstellung und für mich der beste Dünger, den es überhaupt gibt: Brennnesseljauche. Alle zwei Wochen bekommen meine Pflanzen diesen Power-Cocktail.
Wer keine Brennnesseln im Garten hat: Man muss beim Spaziergang nur einmal mit Handschuhen und einer Schere an einem Wegrand vorbeilaufen und sich ein paar Triebe mopsen! Alles, was man ansonsten braucht, ist ein passender Eimer mit Deckel zum Ansetzen.
Das perfekte Rezept für den Ansatz:
Für die Jauche wirft man einfach etwa 1 kg frische, grob zerkleinerte Brennnesseln in den Eimer und gießt 10 Liter Wasser darauf. Das Ganze lässt man abgedeckt für etwa zwei Wochen gären, bis es nicht mehr schäumt (währenddessen ab und zu umrühren).
Die richtige Dosierung für die 10-Liter-Gießkanne:
Weil die pure Jauche viel zu scharf für die Tomatenwurzeln wäre, wird sie immer im Verhältnis 1:10 verdünnt. Für eine Standard-10-Liter-Gießkanne bedeutet das die perfekte Mischung:
1 Liter Brennnesseljauche in die Kanne geben,
mit 9 Litern Wasser auffüllen,
fertig ist der perfekte, selbstgemachte Tomatendünger!
Mein großes Experiment: Der Mythos der Königsblüte
Als ob das alles nicht schon genug Beschäftigung wäre, mache ich dieses Jahr noch den großen „Königsblüten-Test“. Die Königsblüte ist die allererste Blüte, die sich in der allerersten Verzweigung der Tomate bildet. Im Internet wird heiß diskutiert: Soll man sie herausbrechen, damit die Pflanze danach mehr Kraft für den Rest hat, oder bringt das gar nichts?
Ich wollte es genau wissen und mache den direkten Vergleich:
Bei der einen Hälfte der Pflanzen habe ich die Königsblüte rigoros weggeschnitten.
Bei der anderen Hälfte durfte sie wachsen.
Ich bin wahnsinnig gespannt auf den Unterschied beim späteren Ernteertrag und werde das natürlich für euch dokumentieren!
Platz ist in der kleinsten Hütte: Tomaten im Kübel-Vergleich
Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, aber denkt: „Ich habe doch gar kein großes Beet!“ , das ist absolut keine Ausrede! Bei mir wachsen die Tomaten an ganz unterschiedlichen Plätzen und ich liebe es, damit zu experimentieren.
Ich habe sie in meinen Palettenrahmen-Beeten, aber ich habe dieses Jahr auch Tomaten in einem richtig großen 90-Liter-Kübel stehen. Und wer dafür keinen Platz hat? Auf meinen Fotos seht ihr auch meine einzelnen Kübel, in denen jeweils nur eine einzige Pflanze wächst. Ein ganz normaler, großer Blumentopf mit mindestens 20 bis 30 Litern Volumen reicht völlig aus, um eine einzelne, ertragreiche Tomate auf dem Balkon oder der Terrasse zu ziehen. Im direkten Vergleich sieht man toll, wie flexibel die Pflanzen sind!
Fazit: Der Lohn für die grüne Mühe
Ihr seht: Eine reiche Tomatenernte fällt nicht einfach so vom Himmel, sondern ist das Ergebnis von täglichem Hingucken, Gießen, Düngen und Pflegen. Genau deshalb schmeckt die erste eigene, sonnenwarme Tomate der Saison aber auch so unvergleichlich gut, weil in ihr eben ganz viel Liebe und Arbeit stecken.



